Opposition und Krankenhausbetreiber kritisieren Krankenhausgutachten
Bis zum Jahr 2035 werden 1010 bis 1660 Betten weniger benötigt als der Krankenhausplan 2023 ausweist. Das ist ein Ergebnis des Krankenhausgutachtens, das Gesundheitsminister Jung am Dienstag vorgestellt hat. Die Opposition im Landtag sowie Krankenhausbetreiber sind eher skeptisch.
Am Dienstag hat Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) ein Gutachten zur künftigen Krankenhauslandschaft im Saarland vorgestellt. Das dient dem Ministerium als Planungsgrundlage und soll in den nächsten Monaten mit den Betreibern der Kliniken abgestimmt werden, bevor es dann umgesetzt wird.
Viele Zahlen und Fakten zum Krankenhausbetrieb werden dabei in einem nicht-öffentlichen Teil unter Verschluss gehalten. Die Opposition im Landtag und Krankenhausbetreiber schauen auch deshalb eher skeptisch auf das Gutachten.
Den gesundheitspolitische Sprecher der CDU im Landtag, Alwin Theobald, irritiert an dem Gutachten, dass zwischen 1010 und 1660 Betten abgebaut werden sollen. Und das, obwohl der Minister bei der Vorstellung des Gutachtens betont hat, man werde bei der Planung auf den Bedarf der Bevölkerung schauen.
Mehr Geld für Prävention gefordert
Die wird bekanntlich immer älter. Ob auch kränker, hänge zum großen Teil davon ab, wie gut Prävention betrieben wird, sagte am Donnerstag der langjährige, inzwischen ausgeschiedene, Hauptgeschäftsführer der Helios-Kliniken, Francesco de Meo, bei seinem Vortrag in der Villa Lessing in Saarbrücken.
Seine Lesart des Krankenhausgutachtens: „Insgesamt ist erkennbar, dass Überkapazitäten nach Betten bereinigt werden sollen. Meines Erachtens in einem sehr moderaten Umfang.“ Der Ansatz im Gutachten, ambulante Versorgung zu stärken, ist seiner Meinung nach richtig.
Außerdem sollte deutlich mehr Geld in Bildung, in Sportvereine und gemeinschaftliche, soziale Einrichtungen gesteckt werden, sagt de Meo. Das würde die Menschen gesünder machen als ein Aufenthalt in einem Krankenhaus. Dann bräuchte man auch nicht so viele teure Krankenhausbetten.
Sorge vor dem Notfall
Ein Ansatz, den Alwin Theobald von der CDU nicht teilt. Seine Befürchtung: „Das Wort Resilienz kommt beispielsweise überhaupt nicht im ganzen Gutachten vor. Die Lehren, die man aus Corona gezogen hat, ebenfalls nicht."
Covid werde zwar erwähnt, aber nur im Zusammenhang damit, dass anschließend die Fallzahlen gesunken seien. Das scheint seiner Meinung nach alles nicht ganz durchdacht. In der Pandemie wurde jedes vorhandene Krankenhausbett gebraucht. Würde jetzt Kapazität abgebaut, könnten im Notfall Betten fehlen, so seine Befürchtung.
Skepsis bezüglich der Datengrundlage
Die Saarländische Krankenhausgesellschaft blickt besonders skeptisch auf die Datengrundlage für das Gutachten, die offenbar nicht ausreichend hinterfragt worden ist. Im SR-Gespräch sagt deren Geschäftsführer, Thomas Jakobs, die zugrunde gelegte Zahl von 19 Prozent nicht belegter Krankenhausbetten im Saarland sei zu 90 Prozent dem Umstand geschuldet, dass nicht genügend Personal da sei, um diese Betten zu betreiben. Die Nachfrage vonseiten der Patienten sei jedenfalls vorhanden.
Wo genau Betten abgebaut und wo ambulante Behandlung gestärkt werden soll, ist aus dem öffentlichen Teil des Gutachtens nicht ersichtlich. Den nicht-öffentlichen Teil bekommt jeder Krankenhausträger, aber auch nur für sein eigenes Krankenhaus.
Vorgehensweise sei intransparent
Eine Vorgehensweise, die der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Hermann Josef Scharf, sehr intransparent findet. Vor allem, weil man wesentliche Daten wie Personalstärke oder durchgeführte Operationen im Internet für jede Klinik abrufen kann. Da scheine es so, dass Gesundheitsminister Jung Angst habe, jemand könne ihm in die Planung reinreden wollen.
Über dieses Thema hat auch die Region am Nachmittag am 04.04.2025 berichtet.