Sind die Saar-Kliniken auf einen möglichen Kriegsfall vorbereitet?
Deutschlands Gesundheitswesen ist aus Sicht von Fachleuten nur unzureichend auf einen Kriegsfall vorbereitet. Doch wie sieht die Situation im Saarland aus? Der SR hat bei den Kliniken im Land nachgehört.
Die Aussagen und Warnungen beim jüngsten Chirurgie-Kongress in München waren eindeutig: Die Krankenhäuser in Deutschland sind im Ernstfall nicht gut genug für einen eventuellen Krieg gerüstet. Es fehlten Personal, Materialien und Notfallkonzepte – so die einhellige Meinung der Experten.
Doch wie sehen sich die saarländischen Kliniken vorbereitet? Auf SR-Anfrage teilte das Caritas-Klinikum in Saarbrücken mit, jedes Krankenhaus müsse sich auf eine größere Zahl von Verletzten einrichten. Ein Kriegsfall stelle jedoch eine besondere Lage dar, die über bisher berücksichtige Szenarien hinausgehe.
Mitarbeitende des Zentrums für Notfall- und Intensivmedizin des Caritas-Klinikums hätten bereits Fortbildungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe besucht und würden kontinuierlich über aktuelle Entwicklungen informiert.
Uniklinik kann schnell handeln
In der Notaufnahme der Uniklinik des Saarlandes (UKS) in Homburg ist das Personal immer darauf vorbereitet, dass durch einen Katastrophenfall eine hohe Zahl an Verletzten anfällt. Dann werden über eine Alarmkette Personal angefordert und die Intensivkapazitäten ausgebaut.
Die Zahl von 60 Betten für Schwerstverletzte könne so innerhalb von Stunden auf rund 120 Betten verdoppelt werden. Diesen Ernstfall übe man kontinuierlich, sagt Emmanouil Liodakis, Direktor der Unfallchirurgie an der Uniklinik in Homburg, dem SR.
Nachbesserung beim Infrastrukturpaket gefordert
Mit Blick auf das milliardenschwere Infrastrukturpaket der Bundesregierung fordert die Klinik allerdings, dass auch dort nachgebessert werde.
"Infrastruktur bedeutet auch Vorhaltung von Lagerflächen, von Instrumenten, von Material, das jederzeit zügig dorthin gelangen kann, wo man es entsprechend braucht. Und das kostet Geld. Und das wäre natürlich in solchen Infrastrukturfonds sehr gut untergebracht”, sagt Darius Kubulus, Leiter Qualitätsmanagement am UKS.
Dieser Forderung schließt sich auch das Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg an. Von dort heißt es schriftlich: "Jahrzehnte wurde wenig bis nichts in die Krankenhaus-Infrastruktur zur Versorgung der Bevölkerung im Krisen-, Katastrophen- oder gar Kriegsfall investiert."
Damit das Geld aus dem Sondervermögen gezielt dort investiert werden kann, wo es im Ernstfall wirklich gebraucht werde, müsse der Fokus auf die systemrelevanten Kliniken der kritischen Infrastruktur gelegt werden.
Marienhausgruppe: Personal gefordert
Die Marienhausgruppe, die unter anderem Krankenhäuser in Neunkirchen, Ottweiler und Saarlouis betreibt, betont hingegen, dass es wenig Sinn mache, noch mehr an Medizintechnik oder etwa an Medikamenten zu bevorraten. Diese würden regelmäßig ablaufen und am Ende brauche es auch Personal, das man nicht einfach mit Sondervermögen beschaffen könne.
Die Marienhausgruppe betont stattdessen schriftlich: "Noch wesentlicher ist es, dass wir dafür Sorge tragen, unsere wehrhafte Demokratie mit ein wenig mehr Wehrfähigkeit auszustatten, um über eine Abschreckung einen Krieg grundsätzlich zu vermeiden."
Bund trägt die Verantwortung
Das saarländische Gesundheitsministerium betont, dass ein Kriegsfall grundsätzlich ein Szenario sei, bei dem der Bund die Verantwortung für die Planung und Koordinierung trägt. Auf Landesebene würden aber die Strukturen für Großschadensereignisse vorbereitet und beispielsweise auch Reserven für Kriegsverletzte beim Krankenhausplan einkalkuliert.
Über dieses Thema hat auch die SR info-Sendung "Region am Mittag" am 28.03.2025 berichtet.