Müssen Synchronsprecher wegen KI um ihre Jobs bangen?
Hollywood-Stars, die bald von KI-Stimmen synchronisiert werden – eine Sorge, die die Branche der Synchronsprecherinnen und -sprecher umtreibt. Die Stimmen hinter bekannten Größen wie Angelina Jolie oder Jason Momoa haben daher einen Aufruf gestartet, um ihren Job zu schützen. Denn mit KI-Stimmen gehen menschliche Emotionen verloren, sagt auch eine Saarbrücker Sprecherin.
Ob im Kino, bei Hörbuchproduktionen, in Videospielen oder auch in der Werbung – überall dort, wo wir auf Stimmen stoßen, steckt eine Sprecherin oder ein Sprecher hinter den Kulissen. Diese Stimmen verleihen Figuren Leben und Emotionen. Doch in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz immer mehr Einzug hält, stellt sich die Frage: Wird die KI auch bald die menschliche Stimme ersetzen?
Darüber macht sich die Sprecherin Sabine König aus Saarbrücken Sorgen. Sie spricht seit über 20 Jahren unterschiedliche Charaktere in Hörbüchern oder auch Videospielen, ist die Stimme eines Radiosenders und spricht auch für den Saarländischen Rundfunk. Mit ihrer Stimme vermittelt sie Charakter und Persönlichkeit sowie Emotionen wie Wut, Trauer oder Freude. Ihre Stimme ist mehr als nur ein Ton – sie ist die Brücke zwischen den Hörerinnen und Hörern und den Inhalten, die sie hören.
Sprecher fordern Schutzmechanismen
Doch diese Kunst könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn der digitale Wandel und die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz bedrohen den Job von Sprecherinnen und Sprechern wie König: "Die E-Learning-Jobs sind weniger geworden. Und selbst Image-Filme, die ich früher sehr viel gesprochen habe, werden teilweise auch schon durch KI ersetzt, was ich sehr schade finde, weil man hört es einfach", sagt König. Es gebe aber bereits Kunden, denen sei das egal, beziehungsweise denen reiche das – zumal es am Ende auch eine Budgetfrage sei.
Dass ihr Job bald von einer KI übernommen werden könnte, ist ein Szenario, das auch andere Sprecherinnen und Sprecher besorgt. Es seien bereits KI-Tools mit Stimmen deutscher Synchronsprecherinnen und -sprecher trainiert worden, teilte der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) mit. Um ein Bewusstsein für die Risiken von KI zu schaffen, hat der Verband mit einem Instagram-Video einen Aufruf gestartet unter dem Motto „Schützen wir die künstlerische und nicht die künstliche Intelligenz“. An der Aktion beteiligen sich unter anderem Synchronsprecherinnen und -sprecher wie Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie und der deutsche Synchronsprecher von Spongebob, Santiago Ziesmer.
Grundsätzlich fordert die Branche von der Politik Schutzmechanismen gegen den Missbrauch von KI. "Dann müsst ihr euch Filme ansehen mit künstlichen Stimmen von Robotern. Diese Roboter wurden mit unseren Stimmen trainiert, ohne unsere Zustimmung, auf illegale Weise. Illegal", heißt es in dem Video.
KI-Experten warnen vor Zweckentfremdung der Stimmen
KI kann Stimmen imitieren, wenn sie mit Sprachaufnahmen "gefüttert" wird. Eine Stimme wie die von Sabine König. Antonio Krüger, KI-Experte am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken, warnt vor den Folgen. "Die Stimmen können dann in beliebigen Kontexten eingesetzt werden für beliebige Zwecke. Und gerade, wenn Stimmen bekannt sind, kann man damit stärker bestimmte Botschaften verknüpfen und zwar in beliebige Richtungen. Das bedeutet, hier besteht schon auch eine echte Sicherheitsgefahr."
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass KI Stimmen schon bald täuschend echt imitieren kann. Aber was sie noch nicht können: Emotionen glaubhaft transportieren.
Über dieses Thema haben auch die SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" am 02.04.2025 berichtet.