Neue Druckwasserreaktoren für Cattenom?
Seit einigen Wochen kursiert die Info von einem möglichen neuen Reaktor in Cattenom. Bislang gibt es vier Blöcke. Mit der Erwähnung einer Umfrage bei seinem Neujahrsempfang hat Cattenom-Direktor Jérôme le Saint den Gerüchten einer Erweiterung neue Nahrung gegeben.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, 14 neue Druckwasserreaktoren vom Typ EPR 2 bauen zu lassen. Für sechs davon stand der Standort schon fest, für acht weitere soll die Entscheidung kommendes Jahr fallen. Einer der Standorte könnte Cattenom sein. Die angrenzende Bevölkerung will das.
Wichtiger Arbeitgeber in der Region
Laut dem Internetportal "Lesfrontalisers.lu" haben sich bei einer Umfrage 80 Prozent der Cattenom-Anrainer dafür ausgesprochen, dass die Laufzeiten verlängert werden, zu 70 Prozent wollten sie einen weiteren Reaktor. Diese Umfragen wurden auch an anderen möglichen Standorten durchgeführt, etwa in Chinon. Dort sieht die Zustimmung ähnlich aus.
Neben der generell hohen Zustimmung zur Atomenergie spielt auch der Wirtschaftsfaktor eine große Rolle: Laut dem Statistik-Institut INSEE haben rund 3600 Beschäftigte durch das AKW direkt oder indirekt eine Stelle. Der Konzern EDF gilt in Frankreich als gut zahlender Arbeitgeber.
Ausgleichszahlungen für die Kommunen
Seit vier Jahrzehnten nehmen Bevölkerung und Beschäftigung in den 61 Kommunen rund um Cattenom zu. Im restlichen Département Moselle nimmt die Bevölkerung ab, die Arbeitslosigkeit ist relativ hoch. Sowohl die Gemeinden als auch das Département erhalten hohe Ausgleichszahlungen dafür, dass hier ein Atomkraftwerk angesiedelt ist. All das trägt dazu bei, dass auch die Zustimmung unter den Politikerinnen und Politikern hoch ist.
Der Bürgermeister von Cattenom, Bernard Zenner, hat auch jahrzehntelang für den Betreiber EDF gearbeitet. Er hat sich von Anfang an für neue Reaktoren ausgesprochen, sogar für zwei EPR-Blöcke. Zenner sagt, das Terrain ist vorhanden. Jedoch ermögliche der Durchfluss der Mosel es nicht, sechs Blöcke gleichzeitig laufen zu lassen. Zenner geht davon aus, dass die neuen Reaktoren, so sie denn kommen, die ersten beiden Blöcke ersetzen werden.
Konkurrent Nogent-sur-Seine
Die Entscheidung werde wahrscheinlich zwischen Nogent-sur-Seine und Cattenom getroffen. Nogent-sur-Seine liegt ebenfalls in der Region Grand Est. Das dortige AKW hat in der Präfektin und dem Regionalratspräsidenten von Grand Est, Josiane Chevalier und Franck Leroy bereits prominente Fürsprecher erhalten.
Die Kernreaktoren vom Typ EPR 2 haben eine Leistung von rund 1700 Megawatt. Die bisherigen in Cattenom haben eine Leistung von 1300 Megawatt. Sollten also einer oder zwei gebaut werden und ermöglichen, Block 1 und/oder Block 2 abzuschalten, werden es auf jeden Fall also leistungsstärkere Reaktoren sein.
Schnellerer Bau als Flamanville
Am Beispiel des EPR in Flamanville in der Normandie ist zu sehen, dass die Bauzeit sehr lange dauert. Zenner sagte im Gespräch mit dem SR, der Bau der 14 neuen Reaktoren ermögliche den Ingenieuren, ihr Knowhow zu erweitern.
Zenner geht davon aus, wenn Cattenom dran sei, werde die Konstruktion sehr viel schneller voran gehen als bislang. So lange müsste die Laufzeit der bisherigen Reaktoren verlängert werden.
Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 26.02.2025 berichtet.
Weitere Informationen zum AKW Cattenom
Ein Thema in der Region am Mittag am 26.02.2024 auf SR 3 Saarlandwelle. Das Foto ganz oben zeigt einen Blick auf das AKW Cattenom. (Bildquelle: Lisa Huth)