Birgit Herold aus Eppelborn und "Die Schreiberin" aus Augsburg
Bei der ersten Nacht der Bibliotheken im Rahmen des „erLESEN!“-Festivals hatten sich Bücherhütte, Kulturamt und die Stadtbibliothek Wadern hatten etwas Besonderes einfallen lassen: einen Abend mit der Autorin Birgit Herold, die viel Freude an schönen Wörtern hat und ihr Publikum begeistern kann.
Birgit Herold ist Übersetzerin, hat in den 80ern in Saarbrücken studiert und ist vor einigen Jahren mit ihrem Mann in dessen Heimatort Eppelborn zurückgekehrt – mit einem dicken Manuskript übers Schreiben im Gepäck. Denn, was heute auf Knopfdruck Tausendfach ausgedruckt oder elektronisch vervielfältigt wird, das musste vor der Erfindung des Buchdrucks mühsam von Hand kopiert werden: von sogenannten Lohnschreibern.
Liederbuch der Clara Hätzlerin
Eine Lohnschreiberin hieß Clara Hätzlerin. Kaum jemand hat je von ihr gehört, auch Birgit Herold nicht. Auf ihrer Suche nach schönen Wörtern war sie vor Jahren auf das Wort "Wohlgemut" gestoßen.
"Da habe ich das Wörtchen nachgeschlagen im Internet, bei Grimms Wörterbuch, und habe die Quellenangabe gefunden: aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin."
Dieses Liederbuch der Clara Hätzlerin ist ein wahrer Schatz und wird deshalb auch gut verschlossen in Prag verwahrt. Aber Birgit Herold durfte es mal anschauen und sogar anfassen, mit Handschuhen, versteht sich.
Einzige bekannte Lohnschreiberei
Da war „Die Schreiberin“, also das Buch über diese Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben hat, schon längst beschlossene Sache. Ihre erste Recherche hatte bei Clara Hätzlerin den Treffer, dass es sich bei ihr um die einzige bekannte Lohnschreiberei aus dem fünfzehnten Jahrhundert handelt.
Birgit Herold hat sich dann rund acht Jahre lang mit Clara Hätzlerin, ihrem Schreiben und dem Leben von Frauen im späten Mittelalter befasst. Ihr Wissen hat sie in der Nacht der Bibliotheken mit ihrem Publikum in der Waderner Stadtbibliothek geteilt. Und es kam an.
Mitglied der Fuggerfamilie in Augsburg
"Ich wusste nicht, dass das Schreiben im Mittelalter schon für Frauen erlaubt war und dass man das auch quasi zum Broterwerb machen konnte. - Ja, dass es damals eine Frau gab, die in gewisser Weise emanzipiert war, das war für mich neu. - Und wie weit verzweigt die Fuggerfamilie war."
Vieles ist verbrieft, in diesem Roman „Die Schreiberin“ von Birgit Herold. Aber vieles ist auch Fiktion, etwa, dass Clara als Tochter eines Notars mit dem Bruder einfach lesen und schreiben „mitlernen“ durfte. Das ist eine mögliche Erklärung. Sie könnte stimmen, es könnte aber auch eine andere geben.
Vielfalt an weiblichem Leben
"Das, was mich am meisten bei der Recherche begeistert hat: die Vielfalt von weiblichem Leben in so einer mittelalterlichen Stadt wie Augsburg war wirklich überraschend."
Und das, obwohl Frauen damals offiziell keine Rechte hatten und Ehemann, Vater oder Bruder immer Vormund blieben. Auch die Aktivitäten einzelner Fugger-Frauen sind in Archiven belegt, auch wenn sie in der offiziellen Geschichtsschreibung keine Rolle spielen.
Vignetten aus der Originalhandschrift
"Es gibt Frauen, die Handelsgeschäfte betreiben, bei den Fuggern sogar. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich doch als Frau ein Leben aufzubauen. Das hat mich sehr fasziniert. Also die Klischees stimmen so nicht."
Birgit Herold beschreibt in einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion Claras Werdegang von Augsburg bis in Gutenbergs Werkstatt in Mainz. Ergänzt mit Vignetten aus der Originalhandschrift der Clara Hätzlerin ist „Die Schreiberin“ eine spannende Geschichte über mutige Frauen, die Macht der Wörter und eine Erfindung, die die Welt verändert.
Die Schreiberin" von Birgit Herold ist bei Fischer Krüger erschienen. Das Hardcover mit vielen Versalien - das sind quasi Sonderauszüge - aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin ist bei Fischer Krüger erschienen und kostet 24 Euro
Alle Angaben zum Buch:
Birgit Herold
„Die Schreiberin“
Fischer Krüger
ISBN 978-3-8105-0064-9
30.10.2024
HC, 24 Euro
Weitere Infos zu erLESEN!
Ein Thema in der "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 05.04.2025.