Homburger Kaufland nach Negativbericht im Fernsehen geschlossen
Nach dem Bericht über Hygienemängel im Homburger Kaufland ist die Filiale mindestens sechs Monate geschlossen. Das Unternehmen hat nun in einer ausführlichen Stellungnahme auf die "nicht hinnehmbaren" Verhältnisse reagiert, die die Undercover-Reportage des Teams Wallraff am Donnerstag gezeigt hatte.
Die Kaufland-Filiale in Homburg bleibt bis auf weiteres geschlossen. Auf einem Aushang an den Türen heißt es, dass die aktuelle Berichterstattung das Unternehmen "sehr betroffen" gemacht habe und man die Filiale deshalb schließe.
Reporter des Nachrichtenmagazins "Stern" und der RTL-Sendung "Team Wallraff" hatten in einer Recherche, teils auch Undercover, dutzende Kaufland-Filialen untersucht und dabei unter anderem in Homburg Hygienemängel aufgedeckt. Konkret hatte eine Reporterin unter anderem Mäusekot in der Nähe von Lebensmitteln entdeckt.
"Die jüngsten Bilder, insbesondere auch jene, die wir aus der Filiale in Homburg gesehen haben, sind absolut nicht hinnehmbar", teilte Kaufland dem SR auf Anfrage mit. "Die Darstellungen entsprechen in keiner Weise den strengen Standards des Unternehmens im Umgang mit Lebensmitteln sowie für Sauberkeit und Hygiene in den Kaufland-Filialen."
Schädlingsbefall schon seit Monaten bekannt
Der Schädlingsbefall ist schon länger bekannt. Das hatte zuvor bereits das Unternehmen gegenüber dem Stern eingeräumt. Und das bestätigte nun auch das saarländische Umweltministerium dem SR. "Der massive Schadnagerbefall im Kaufland Homburg wurde Ende letzten Jahres unter Beteiligung des Ordnungsamtes der Stadt Homburg bearbeitet", teilte ein Sprecher mit.
"Entsprechende Kontrollen fanden statt und erforderliche Maßnahmen wurden sofort und ohne Umwege oder Verzögerungen eingeleitet." Weitere Angaben wollte das Ministerium mit Verweis auf ein laufendes Ordnungswidrigkeitsverfahren nicht machen.
Homburger Filiale soll umgebaut werden
Unterdessen teilte Kaufland dem SR mit, dass die Filiale in Homburg nun kurzfristig umfassend saniert werde. "Anstatt wie ursprünglich geplant ab Mai im laufenden Betrieb umfangreichere, genehmigungspflichtige Maßnahmen umzusetzen, wurde die Filiale daher mit sofortiger Wirkung vorübergehend geschlossen."
Kaufland will einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. "Dabei erfolgt zum Beispiel ein kompletter Austausch der Kühlmöbel und des Wasserleitungsnetzes, die Sanierung der Kundentoiletten sowie die Erneuerung der Sozialräume."
Nach Informationen des Verdi-Gewerkschaftssekretärs Thomas Müssig bleibt die Filiale ein halbes Jahr lang geschlossen. Die Beschäftigten sollen nach Unternehmensangaben in anderen Filialen eingesetzt werden.
Filialleitung kürzlich suspendiert
Außerdem erhält die Filiale laut Unternehmen eine neue Leitung. Bereits einige Tage vor der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags am Donnerstagabend auf RTL, hatte Kaufland laut einem Bericht der Saarbrücker Zeitung die Marktleitung in Homburg suspendiert. Ob das mit den aktuellen Vorwürfen oder früheren innerbetrieblichen Konflikten zu tun hat, ist unklar. Bereits vor anderthalb Jahren hatte Verdi laut SZ ein "verheerendes Arbeitsklima" in der Filiale kritisiert.
Bis zur Übernahme durch Kaufland vor drei Jahren hatte die Homburger Filiale zum mittlerweile abgewickelten Real-Konzern gehört. Kaufland hat nach eigenen Angaben damals in Erwägung gezogen, das in die Jahre gekommene Gebäude abzureißen. Um eine länger andauernde Schließzeit zu vermeiden, habe man sich dann aber dagegen entschieden und wollte im Bestand sanieren. "Die nun anstehende Großmodernisierung wird auch dazu beitragen, Schädlingsbefall effektiv vorzubeugen", ist man beim Unternehmen überzeugt.
Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten im Radio am 04.04.2025 berichtet.