Tour de Kultur 2024: Besuch im Wildpark Potzberg

Wo man Polarfüchse und Bussarde streicheln kann

Besuch im Wildpark Potzberg

Hannah Kaiser  

Auf der Besuchertribüne des Wildparks tummeln sich die kleinen Gäste, einige noch an der Hand ihrer Eltern. Sie reden wild durcheinander, tippeln aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Es ist 12.00 Uhr und das heißt: Die „Harris Hawk“-Flugschau beginnt gleich.

„Harris Hawks“ – das sind Wüstenbussarde, eine Greifvogelart. „Sie weisen ein soziales Gruppengefüge auf, deshalb kann man sie zusammen fliegen lassen“, erklärt Silas. Er macht gerade eine Ausbildung zum Zootierpfleger und leitet heute die Kinderflugschau.

Wo Kinder zu Falknern werden

Kauz im Wildpark Potzberg (Foto: Hannah Kaiser /SR)

Bevor es richtig losgehen kann, müssen die Kinder mit Falkner-Handschuhen ausgestattet werden.

Aus der Ferne kann man bereits die ersten Vögel schreien hören. Gleich geht’s los! Silas holt ein Hühnerbeinchen aus seiner Bauchtasche, steckt es zwischen Daumen und Zeigefinger eines Kindes und beginnt zu winken. „Das ist ein stilles Rufzeichen, darauf haben wir die Vögel trainiert“, erklärt er.

Der erste Wüstenbussard lässt nicht lange auf sich warten. Ganz geschmeidig landet er auf dem Arm des Mädchens. Während der Vogel sich das Hühnchen schmecken lässt, streichelt sie sanft über sein Fell: „Es ist schön weich und warm.“

Falknerei und Naturpädagogik

Angst vor dem Greifvogel hat das Mädchen nicht – oder zumindest nicht mehr. Ihre Augen strahlen, als sich das stattliche Federtier auf ihrem Arm nieder lässt. Für Inhaber Harald Schauß ist das ein großer Erfolg. „Was ich nicht kenne, kann ich nicht schützen. Und deshalb haben wir dieses große Angebot für Kinder. Sie sollen Spaß haben, aber auch respektvoll mit den Tieren umgehen“, erklärt der leidenschaftliche Falkner.

Ziel ist, die junge Generation für ihre Umwelt zu sensibilisieren. „Wir betreiben hier Naturpädagogik, das heißt, wir wollen die Kinder an die Natur heranführen“, so Schauß. Er selbst habe vor 45 Jahren eine Eule halten dürfen – „und das hat mich so fasziniert, dass ich heute immer noch hier stehe.“

Polarfüchse - hautnah

Polarfuchs im Wildpark Potzberg (Foto: Hannah Kaiser /SR)

Nach der Kinderflugschau geht es weiter zu den Polarfüchsen. Von 13.00 bis 15.00 Uhr werden diese nämlich gefüttert. Als Azubi Silas das Tor zum Gehege öffnet, strömen die kleinen, weißen Füchse quer durch die Besuchermenge. „Sie sehen schon, das sind sehr neugierige Tiere“, sagt er lachend.

Nachdem sich Eltern und Kinder im Gehege verteilt haben, geht Silas umher und legt ihnen ein Hühnerbeinchen auf die flache Hand. „Ihr beugt euch runter, zeigt es dem Fuchs und der nimmt sich den Snack. Dann könnt ihr ihn streicheln“, erklärt der angehende Zootierpfleger. Er macht es einmal vor, dann dürfen alle anderen. „Oh, sind die schön kuschelig!“, ruft ein kleines Mädchen begeistert.

Ein Wildtier, das Hilfe braucht

Umso trauriger schauen die Kinder, als Silas erzählt, dass die Polarfüchse vom Aussterben bedroht sind: „Durch den Klimawandel wandert unser Rotfuchs nach Norden. Er verdrängt und jagt den kleineren und schwächeren Polarfuchs.“ Wegen seines dicken, weißen Fells wird er zudem vom Menschen gejagt.

Auf dem Potzberg versucht man, den Bestand der Eisfüchse zu vergrößern: „Wir züchten die Tiere, um sie irgendwann wieder auszuwildern.“ Erst im letzten Sommer kam erneut Nachwuchs zur Welt.

Apropos Sommer: In dieser Jahreszeit sind die Füchse gar nicht mehr schneeweiß, sondern grau-braun. Mit den Jahreszeiten wechseln sie nämlich auch die Farbe ihres Fells.

Frettchen streicheln

Wildpark Potzberg (Foto: Hannah Kaiser /SR)

Nach ganz vielen Streicheleinheiten heißt es nun Abschied nehmen von den Polarfüchsen. Die Enttäuschung hält aber nur kurz, denn vor dem Gehege wartet eine weitere Überraschung: Frettchen-Dame Mila. „Die kann man zusammenklappen wie ein Handy“, sagt Silas – und führt es auch gleich vor. Die Kinder lachen: „Das sieht lustig aus!“

Wer sich nicht von den Tieren trennen will, der kann sogar ein Frettchen oder einen Polarfuchs mit nach Hause nehmen – allerdings aus Stoff. Der Erlös kommt den Tieren zugute: „Nur durch Spenden und die Einnahmen der Kuscheltiere konnten wir das untere Polarfuchsgehege um die Hälfte vergrößern“, erzählt Silas.

Ein Zuhause für über 800 Tiere

Alpaka im Wildpark Potzberg (Foto: Hannah Kaiser /SR)

Neben Polarfüchsen und Frettchen gibt es im Wildpark Potzberg noch jede Menge andere Tiere zu sehen. Viele heimische Arten leben dort, etwa Wildschweine, Rothirsche und Murmeltiere, aber auch ein paar Exoten: Zebras, Affen, Kängurus und Alpakas zum Beispiel.

Wie viele Tiere insgesamt auf dem über 30 Hektar großen Parkgelände zu Hause sind, weiß Inhaber Harald Schauß gar nicht genau: „Wenn ich schätzen müsste, dann sind es bestimmt um die 850.“

Einige der Tiere vermehren sich wild, über 250 Kaninchen hoppeln zum Beispiel völlig frei über Wiesen und Felder. Ein Rundweg führt an allen Tierarten vorbei, auf Info-Schildern kann man dabei noch mehr über sie lernen.

Aussicht an der Blockhütte

Wer nach all den Erlebnissen eine Auszeit braucht, der kann es sich auf der Blockhütte zum Adlerblick gemütlich machen und bei einer Tasse Kaffee den schönen Ausblick genießen. Der „König des Westrichs“, wie der Potzberg auch gerne genannt wird, bietet mit seinen 562 Höhenmetern eine einzigartige Aussicht über weite Teile der Pfalz.

Ein Heidenspaß für die Kinder

Besucherkinder mit Ziegen im Wildpark Potzberg (Foto: Hannah Kaiser /SR)

Damit es den Kindern währenddessen nicht langweilig wird, befindet sich direkt neben der Hütte ein Erlebnis-Spielplatz – und der Name ist Programm. Der Spielplatz liegt inmitten des Geheges der Ziegen und Schafe. „Die Kinder rutschen die Rutsche runter und die Ziegen rutschen hinterher. Das habe ich hier schon öfters erlebt!“, erzählt Harald Schauß lachend. „Da merken die Kinder: Das Tier hat mich lieb und will nicht nur mein Futter. Ziegen und Schafe lieben Streicheleinheiten und das können Kinder einfach am besten.“

Flugschau mit dem König der Lüfte

Nach einer gemütlichen Pause in der Blockhütte geht es für viele Familien weiter zu einem der Programm-Höhepunkte des Greifvogelzoos: der großen Flugschau mit Falkner Harald Schauß. „Da fliegen zwischen zwölf und 15 Adler auf einmal und das ist echt sehenswert“, sagt der Wildpark-Inhaber.

Seine Flugvorführungen sind weit über die Region hinaus bekannt, viele Besucher kommen dafür von weit her. „Das gefällt den Leuten, wenn die Adler über das Tal hinausziehen, ihre Runden drehen und immer wieder gerne zurückkommen“, erzählt Schauß stolz. Wer noch einen Sitzplatz ergattern will, der sollte sich also beeilen. Der Andrang ist riesig!

Über 40 Greifvögel-Arten

„Wir haben ungefähr 250 Greifvögel, über 40 Arten, darunter sind natürlich auch sehr viele seltene Exemplare. Wir züchten jedes Jahr rund 80 Jungtiere nach, unterstützen Auswilderungsprojekte“, erzählt Harald Schauß den Zuschauern, während diese gespannt auf die ersten Greifvögel warten. Was keiner ahnt: Gleich werden sie ihnen ganz nah sein.

Als der erste Adler über die Menge fliegt, wirft Harald Schauß Futter in die Luft. Der Adler schießt darauf zu und fängt den Leckerbissen knapp über den Köpfen der Zuschauer. Die Menge kreischt, lacht und applaudiert!

Tosender Applaus zum Finale

Als im großen Finale der Flugschau plötzlich 50 Milane gleichzeitig am Himmel sind, weiß man gar nicht mehr, wo man hinschauen soll. Ein Staunen raunt durch die Menge, dann folgt tosender Applaus. Die Menschen sind begeistert: „Das ist einfach etwas ganz Einzigartiges hier!“ Eine Frau erzählt: „Wir sind jetzt schon zum vierten Mal hier und wir sind immer wieder beeindruckt. Die Flugschau ist einfach sensationell!“

Hannah Kaiser


Auf einen Blick


Kontakt
Wildpark & Greifvogelzoo Potzberg
66887 Föckelberg
Tel.: (06385) 62 49
E-Mail: wildpark@potzberg.de
www.wildpark.potzberg.de

Öffnungszeiten
Ganzjährig von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet.

Eintritt
Erwachsene (ab 16 Jahren): 10,50 €, Kinder (4 – 16 Jahre): 7,- €, Kindergartengruppe pro Kind (2 – 4 Jahre): 5,- €, Gruppen ab 25 Personen (Erwachsene): 10,- €, Gruppen ab 25 Personen (Kinder): 6,50 €, Jahreskarte – Einzeln: 45,- €, Jahreskarte – Familie: 95,- €,
Wildfutter: 2,- €.
Es ist keine Kartenzahlung möglich.

Programm März bis Oktober

  • Große Flugschau: Täglich (außer montags) 15.00 Uhr.
  • „Harris-Hawk“-Flugschau für Kinder: Montag: 15.00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen sowie in den Ferien von Mittwoch – Freitag: 12.00 Uhr.
  • Polarfuchsfütterung: an Sonn- und Feiertagen sowie in den Ferien Mi. – Fr.: 13.00 – 15.00 Uhr.

Für Gruppen (z.B. Schulklassen, Kindergeburtstage) sind die Flugschauen nach Anmeldung auch zu anderen Zeiten möglich.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 16.07.2024 auf SR 3 Saarlandwelle

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